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Methode und ihre Anwendungsgebiete nachlesen?
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Institut für Horch & Sprachpädagogik

Audio-Psycho-Phonologie

ist der Fachbegriff der Tomatis-Methode, welche bereits in " Die Tomatis-Methode" erklärt wurde. Für alle, die sich allerdings für eine (noch) genauere Erklärung interessieren, ist das folgende Dokument lesenswert.

Es ist das große Verdienst des französischen HNO-Arztes und Chirurgen Dr.med. Alfred Tomatis (geb. 1920) in jahrzehntelanger Forschungstätigkeit und Praxis die überragende Rolle unseres Gehörorgans in der menschlichen Entwicklung aufgezeigt und eine Methode zur Erziehung des Ohres entwickelt zu haben. Seine vor mehr als 40 Jahren aufgestellte Hypothese etwa, daß der Fötus bereits im Mutterleib höre und insbesondere durch die Mutterstimme (Muttersprache!) geprägt werde, gilt heute trotz seinerzeitiger heftiger Kontroversen als unbestrittene Tatsache. Gerade die Untersuchungen intra-uterinen Hörens haben Tomatis schließlich zur Entwicklung seiner Methode mit gefilterten Klängen (Mutterstimme oder Musik von Mozart oder gregorianischer Choral) und zur Konstruktion des elektronischen Ohres geführt.

Die Grundlage der Methode wurde von Tomatis in Arbeiten auf dem Gebiet der Audiologie, Phonologie und Psychologie erstellt und 1957-1960 als "TOMATIS-EFFEKT" an der Akademie der Wissenschaften in Paris publiziert. Es handelt sich dabei um die Entdeckung von kybernetischen Mechanismen zwischen Stimme und Ohr und läßt sich in den folgenden drei Gesetzen zusammenfassen:

  1. Die Stimme enthält als Obertöne nur die Frequenzen, die das Ohr hört.


  2. Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder nicht gut wahrgenommene Frequenzen wieder korrekt zu hören, so treten diese augenblicklich und unbewußt wieder in der Stimme in Erscheinung.


  3. Die über eine bestimmte Zeitdauer wiederholte akustische Stimulation führt zur endgültigen Veränderung des Gehörs und folglich der Phonation.

Wichtig ist dabei anzumerken, daß Tomatis nicht an dem lange verbreiteten Hörmodell von Helmholtz (1821-1894) festhält, wonach der Schall auf dem Luftweg zum Trommelfell und von dort durch die Mittelohrknochen (Hammer - Amboß - Steigbügel) zum Innenohr, zur Schnecke (Cochlea) gelange. Zunächst muß man zu dieser Luftleitung des Gehörs auch die Knochenleitung hinzufügen, welche übrigens das vorher genannte intra-uterine Hören erst plausibel macht: Die Mutterstimme gelangt über die Wirbelsäule als Schalleitung und verstärkt durch das Becken als Resonanzkörper zum Fötus. Tomatis schließlich kommt zu dem Schluß, daß das Gehör durch das Gehirn gesteuert wird, also eine psychische und nicht eine rein mechanische Struktur aufweist:
Der Mensch hört nur, was er hören will.

Zusätzlich zu diesen Grundsätzen des "Tomatis-Effekts" muß man die dreifache Funktion des Gehörorgans betrachten, wenn man seine universelle Bedeutung für den Menschen erkennen will:

  1. Die Funktion des Hörens, wobei im Gegensatz zum unterbewußt ablaufenden Hören das bewußte und aktive, dem Willen unterworfene "Horchen" der eigentliche Gegenstand der Betrachtung ist.


  2. Die Aufladung der Großhirnrinde mit neuraler "Energie", wobei das elektrische Potential in den Corti'schen Zellen auf der Basilarmembran der Cochlea aus den hohen Frequenzen der Schallquelle gespeist wird.


  3. Die Beeinflussung des gesamten Organismus über das Gleichgewichtsorgan (Vestibulum) im Innenohr, somit die Kontrolle des Körpergleichgewichts und der aufrechten Haltung, der Motorik und der Körperorganisation (Lateralität) sowie Einfluß auf das vegetative Nervensystem (10. Hirnnerv) und auf Stimme und Sprache.

Dem Gehörorgan kommt also eine zentrale Bedeutung zu, was sich schon in der ontogenetischen Entwicklung des Menschen darin manifestiert, daß das Ohr als erstes Sinnesorgan bereits etwa in der Mitte des vierten Schwangerschaftsmonats teilweise ausgebildet und funktionsfähig ist (Bulbus-Ohr zwischen Rückenmark und Gehirn) und andererseits als letztes in seiner Entwicklung abgeschlossen wird.

Zur Optimierung all dieser Funktionen des Gehörorgans  wird in praktischer Anwendung des Tomatis-Effekts das elektronische Ohr, bestehend aus Verstärker, Filtern und elektronischer Umschaltung eingesetzt.

Das elektronische Ohr

Dieses Gerät vermag die Funktionen des menschlichen Ohres nachzubilden und in einem speziellen Horchtraining das Ohr dazu zu bringen, auf fehlende Frequenzen wieder zu reagieren sowie auch die führende Rolle des rechten Ohres zu etablieren und zu stabilisieren. Die Rechtslateralität ist aus neurologischen Gründen (kürzere Nervenbahn) der Linkslateralität vorzuziehen.

Ausgangspunkt eines solchen Horchtrainings bildet ein umfassender Horchtest (TLTS = Tomatis Listening Test System), bei welchem das Gehör nicht nur hinsichtlich der Hörschwellen, sondern auch anderer Parameter - Selektivität (Fähigkeit der Unterscheidung von Tonhöhen), Spatialisation (Ortung) und Lateralität (Seitigkeit) - untersucht und analysiert wird. Ein individuell abgestimmtes Programm bestimmt den Verlauf des Horchtrainings, welches zunächst durch zunehmende Filterung von tieferen Frequenzen zum Zustand des intra-uterinen Hörens führt, um nach einer gewissen Anzahl von Sitzungen unter dem Kopfhörer zur zweiten Phase, der "akustischen Geburt" überzuleiten: Hiebei werden die gefilterten Bänder nach und nach entfiltert, d.h. wie bei der Geburt gleitet der Mensch vom intra-uterinen Hören (durch das Fruchtwasser) hinüber ins extra-uterine Hören (durch die Luft). Der mittels elektronischem Kippschalter realisierte Wechsel zwischen höhen- und tiefenverstärkten Klängen bewirkt ein ständiges Spannen und Entspannen des Trommelfells und damit in Verbindung eine richtiggehende "Mikrogymnastik" der Muskeln von Hammer und Steigbügel. Auf diese Art wird ein bedingter Reflex quasi erzogen, welcher durch zunehmende Konditionierung dieser Muskulatur die notwendige Regulierung bei der Analyse der Klangbotschaft herstellt.

Ist das Ohr durch diese sog. "passive Phase" des Horchtrainings einmal richtig justiert - Kontrolle durch einen Horchtest -, so wird die Kur mit einer "aktiven Phase" fortgesetzt und abgeschlossen: Über Mikrophon und Kopfhörer lernt man seine eigene Stimme so einzusetzen, daß sie als Impulsgeber für das Ohr wirkt und so eine Selbstregulation zwischen Ohr und Stimme stattfinden kann; die Filter des elektronischen Ohres ermöglichen das Trainieren von selektiven Frequenzen. Instrumentalisten können in dieser Phase mit ihrem Instrument ihre Spielweise optimieren.

Das soeben kurz skizzierte Horchtraining kann also durch seine Verbesserung der Horchdisposition und der damit verbundenen positiven körperlichen wie psychischen Wirkungen (z.B. Aufrichtung der Körperhaltung zur sog. "Horchhaltung", gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und besseres Gedächtnis, höhere Kommunikationsbereitschaft, etc.) in der Musik und Instrumentalerziehung, für den aktiven Musiker, aber auch in vielen anderen Bereichen des Lebens eine wesentliche Hilfe anbieten.
 


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